Die Rolle der Lernbegleiter*innen

Die Rolle der Lernbegleiter*innen bezieht sich nach Sichtweise Montessoris auf die Förderung der Selbstständigkeit des Kindes in einer sogenannten vorbereiteten Umgebung. Teil dieser Vorstellung eines selbstständigen Lernens formte den Begriff der Lernbegleiter*in, der/die in erster Linie den Lernprozess begleitet, wobei „das Kind immer im Mittelpunkt“[1] steht.

Die Tätigkeiten der Lernbegleiter*innen erfordern eine aktive Vorbereitung und die – zum geeigneten Zeitpunkt erfolgende – „Untätigkeit“ der Lehrperson ist als Zeichen des Erfolges zu sehen. Es erfolgt eine „radikale Verschiebung der Aktivität“, die Zurückhaltung verlangt, um dem „aktiven“ Kind (neue) Handlungsräume zu ermöglichen. 

Das Montessori-Material

Nach Maria Montessori sind „Gegenstände keine Hilfe für die Lehrperson (…), es sind also keine ‚Lehrmittel‘. Sie sind hingegen eine Hilfe für das Kind, das sie auswählt, sie sich nimmt, sie benutzt, und zwar entsprechend seinen Neigungen und Bedürfnissen, je nach dem Impuls seines Interesses. So werden Dinge zum ‚Entwicklungsmaterial‘“.[2] Das heißt es geht vor allem um die Entwicklung des Kindes, die sich in freier Wahl der Arbeit und vorbereiteter Umgebung in Tätigkeit vollzieht. Es liegt nahe, dass innerhalb dieser Methode Fehler nicht dringend vermieden werden müssen, sondern als sinnvoller Bestandteil eines Lernprozesses betrachtet und wertgeschätzt werden. 

Beobachten

Die Fähigkeit zur genauen Beobachtung des Kindes ist eine weitere wichtige Grundlage des Tätigkeitsfeldes der Lernbegleiter*innen. Beobachten bedeutet nach dieser Methode das Kind in seinem Wesen zu verstehen, um in der Lage zu sein, adäquat zu reagieren (Impulse geben, sich zurückziehen, Fragen stellen etc.). Es geht nicht darum, das Kind anhand festgelegter Kriterien zu „vermessen“. Beim Vermessen kann das Kind nur verlieren. Wir als Lernbegleiter*innen der Montessori-Pädagogik helfen „dem Kind dabei, selbst zu handeln, selbst zu wollen, selbst zu denken“.[3]

In unserer Rolle als Lernbegleiter suchen wir stets Weiterentwicklung durch Selbstreflexion, kollegiale Hospitation, Schülerevaluation und regelmäßige Supervision.


[1] Montessori, Maria: Kosmische Erziehung. Freiburg im Breisgau 1988: Herder. S. 121.

[2] Montessori, Maria: Die Entdeckung des Kindes. Freiburg im Breisgau 2010: Herder. S. 179f.

[3] Montessori, Maria: Erziehung für eine neue Welt (1946). In: Oswald, Paul; Schulz-Benesch, Günter: Grundlagen der Montessori-Pädagogik. Quellentexte und Praxisberichte. Freiburg im Breisgau 2008: Herder. S. 107.